Interview mit Jean-Marie Pfaff

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Jean-Marie Pfaff A!B!C
Martin Heidt ist unser neuer Mitarbeiter in der A!B!C-Niederlassung Duisburg. In seinem „früheren“ Leben war er Sportjournalist und lässt für uns seine Beziehungen spielen. Rechtzeitig vor WM-Start hat er Jean-Marie Pfaff getroffen und ihn ganz exklusiv für die A!BC interviewen können.

Jean-Marie Pfaff (64)

spielte von 1982 bis 1988 für den FC Bayern München und bestritt 156 Bundesligaspiele. Mit den Bayern wurde er in dieser Zeit dreimal deutscher Meister und gewann zweimal den DFB-Pokal. 1987 stand Pfaff mit den Münchnern im Endspiel um den Europapokal der Landesmeister (heute: Champions League), verlor da aber 1:2 gegen den FC Porto. Für sein Heimatland Belgien bestritt „JMP“ 64 A-Länderspiele und nahm an den Weltmeisterschaften 1982 in Spanien und 1986 in Mexiko teil. 1987 wurde er zum ersten Welttorhüter gewählt. Mit A!B!C sprach Pfaff über die anstehende Weltmeisterschaft in Russland, seine persönlichen Erinnerungen an seine Weltmeisterschaften und die Chancen der deutschen Mannschaft.

A!B!C:

Die Fußball-WM in Russland startet am Donnerstag mit dem Eröffnungsspiel zwischen dem Gastgeber und Saudi Arabien. Wie groß ist Ihre Vorfreude auf das Turnier?

Jean-Marie Pfaff:

Die ist sehr groß, denn eine WM ist immer etwas ganz Besonderes. Da misst man sich mit den besten Spielern der Welt. Auch die ganze Atmosphäre in den Stadien und in den Städten ist einfach unbeschreiblich. Ein großes Fest des Fußballs.

A!B!C:

Die deutsche Nationalmannschaft geht als amtierender Weltmeister und Titelverteidiger ins Rennen. Wie stehen aus Ihrer Sicht die Chancen, dass die Mannen von Bundestrainer Joachim Löw den Titel verteidigen können?

Jean-Marie Pfaff:

Die deutsche Mannschaft zählt wie immer zum Kreis der Favoriten. Klar, sie können den Titel verteidigen, aber dazu musst du neben einem guten Teamgeist auch immer etwas Glück haben. Und: Die anderen werden Deutschland den Pokal nicht freiwillig überlassen. Aber wenn die deutsche Mannschaft eine normale Form hat und konstant bleibt, dann reden sie bei der Titelvergabe ein deutliches Wort mit.

A!B!C:

Wer sind neben Titelverteidiger Deutschland aus Ihrer Sicht die großen Favoriten auf den Gewinn des Weltpokals?

Jean-Marie Pfaff:

Frankreich, Brasilien, England und Spanien haben gute Chancen auf den Titel. Aber vielleicht ist auch mal ein Außenseiter dran. Belgien zum Beispiel (lacht).

A!B!C:

Wie schätzen Sie die belgischen Chancen ein? Können die Belgier für eine Überraschung sorgen? Ist der Kader gut genug für den großen Wurf?

Jean-Marie Pfaff:

Belgien wurde in den letzten Jahren immer als ein Geheimfavorit gehandelt. Am Ende hat es aber nie gereicht. Wir haben ganz tolle Spieler, die alle in den europäischen Top-Ligen spielen. Aber um Erfolg zu haben, nutzen dir keine Einzelspieler. Da brauchst du eine Mannschaft, die als Einheit auftritt – auf dem Platz und daneben. In Mexiko 1986 hatten wir nicht die besten Spieler, aber wir waren ein verschworener Haufen. Und deswegen hatten wir dort Erfolg. Wenn Belgien als Mannschaft und kompakte Einheit auftritt, dann können sie weit kommen.

A!B!C:

Manuel Neuer und seine langwierige Verletzung waren das große Thema im Vorfeld dieser WM – zumindest in Deutschland. Seit September bis Saisonende konnte er für seinen Verein Bayern München und auch für die Nationalmannschaft kein einziges Spiel bestreite. Halten Sie aus Ihrer Sicht einen Einsatz des Bayern-Keepers nach so einer langen Verletzungspause für zu riskant?

Jean-Marie Pfaff:

Nein, Manuel ist ein Torhüter mit ganz viel Erfahrung, er wird genau wissen, ob sein Körper trotz der langen Verletzungspause stark genug für eine WM ist. Außerdem braucht die deutsche Mannschaft einen Neuer im Tor. Allein mit seinem Auftreten und seiner Ausstrahlung ist er enorm wichtig für das Team.

A!B!C:

Sie selber haben mit Belgien an zwei Weltmeisterschaften teilgenommen. An welchen Moment bei einer WM erinnern Sie sich besonders gerne?

Jean-Marie Pfaff:

Natürlich zuerst an die Weltmeisterschaft 1986 in Mexiko. Das kleine Belgien schaffte es bis ins Halbfinale und wurde nur vom späteren Weltmeister Argentinien gestoppt. Wir haben damals die Russen geschlagen und auch Spanien. Das war schon sensationell. Unser ganzes Land drehte durch, der Empfang in Brüssel nach der Rückkehr aus Mexiko war überwältigend. Die Leute haben uns gefeiert, als ob wir den WM-Titel gewonnen hätten. Aber auch 1982, als wir Belgier im Eröffnungsspiel den Weltmeister Argentinien mit 1:0 schlagen konnten, war ein Highlight. Persönlich erinnere ich mich immer gerne an unser Halbfinale 1986 gegen Argentinien. Wir haben das Spiel zwar mit 0:2 verloren und den Einzug ins Finale verpasst, aber ich habe nach dem Abpfiff mit Diego Maradona das Trikot getauscht und wir sind bis heute Freunde geblieben.

A!B!C:

Wie werden Sie die Weltmeisterschaft in diesem Jahr erleben?

Jean-Marie Pfaff:

Ich werde alles von Belgien aus verfolgen. Zuhause überwiegend, aber hier und da werde ich auch die Spiele für das Fernsehen als Experte begleiten. Oder ich bin unterwegs und halte einen Vortrag zum Thema „Nummer eins werden, Nummer eins bleiben“ und schaue die Spiele dann irgendwo in einem Hotelzimmer an. Verpassen werde ich sicher nichts.

A!B!C:

Zum Abschluss: Ihr Tipp – Wer wird Weltmeister?

Jean-Marie Pfaff:

Belgien!!! (lacht)…. Nein, ich tippe, dass Deutschland und Frankreich ins Finale kommen. Deutschland gewinnt dann im Elfmeterschießen, weil Neuer zwei Elfmeter hält.